Chronik des Katholischen Frauenbundes Beratzhausen

(mit Auszügen aus der Zusammenfassung von Inge Molle zum 90. Vereins-Jubiläum 2009)

Mit der Gründungsversammlung des Katholische Frauenbundes Beratzhausen nebst Jugendabteilung am Sonntag, 13. April 1919 um 3 Uhr nachmittags im Gasthaus Paulus ging ein langgehegter Wunsch des damaligen Pfarrers Kammermeier in Erfüllung. 188 Mitglieder zählte der Frauenbund bereits bei der Gründung, diese Zahl erhöhte sich in den nächsten Tagen auf 200. Die Versammlung hatte Mitbegründerin Elisabeth Munk, „prakt. Arztensgattin von Beratzhausen“ einberufen. Sie wurde zur ersten Vorsitzenden, und ihre Tochter Else zusammen mit Maria Ebenhöch zu den Führerinnen der Jugendabteilung gewählt.

Stellvertretende Frauenbund-Vorsitzende im Gründerteam war „Frau Hauptlehrer“ Messerer, Schriftführerin die Stationsmeistersgattin Therese Zankl und Kassiererin „Frau Steuerrevisor“ Kößler. Die Posten der zwei Beisitzerinnen wurden mit „Frau Kaufmann“ Betz und der Bademeistersgattin Babette Gassner besetzt. Der Mitgliedsbeitrag betrug 1,20 Mark jährlich. Eine „Vereinsdienerin“ versah ihren Dienst für 50 Mark Jahreslohn. Bereits im ersten Vereinsjahr folgten zahlreiche Versammlungen und Aktivitäten. Auffällig ist, dass bei jeder Zusammenkunft die Jugendabteilung mit Versen, Liedern und kleinen Theateraufführungen mit eingebunden war. So auch bei der jährlichen Namenstags-Feier für geistlichen Beirat, Pfarrer Johann Kammermeier.

1921 wurde der Mitgliedsbeitrag auf 5 Mark jährlich erhöht, 1925 in der Generalversammlung eine Sterbekasse beschlossen.

Eine vereinseigene Fahne besaß der Frauenbund zunächst nicht, lediglich der Jungfrauenbund hatte eine Standarte. 1926 findet sich in der Chronik folgender Eintrag: „Die Anschaffung einer eigenen Fahne für den Zweigverein soll bis auf günstigere Zeiten zurückgestellt werden.“ – Das Warten dauerte bis 1932. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Frauenbundfahne zu Beerdigungen von gestorbenen Mitgliedern getragen und aufgestellt.

1927 waren zum großen Frauentag über 800 Wallfahrerinnen aus der ganzen südlichen Oberpfalz nach Beratzhausen gekommen. Sie alle galt es zu betreuen und zu verköstigen, was für den damaligen Frauenbund einen Kraftakt darstellte.

Mit Datum 25.11.1934 findet sich folgender Vermerk im Protokollbuch: „Es ist noch zu bemerken, dass der Zweigverein Beratzhausen in der Abhaltung von Veranstaltungen stark behindert ist, wegen der vielen Schwierigkeiten, die sich in der Benützung des Vereinslokals ergeben haben“.

Als Elisabeth Munk 1935 nach München zog, wurde Maria Böhm zur neuen Vorsitzenden gewählt. Nach deren Tod 1942 fehlen bis 1949 jegliche Aufzeichnungen in den Protokollbüchern des Vereins. Vermutlich gab es während der Kriegswirren nur geringe Aktivitäten.

Einer der wenigen Einträge besagt, dass ab April 1946 Pfarrer Ludwig Fichtl neuer geistlicher Beirat und Walburga Schaller neue Vorsitzende des Frauenbundes waren. Den Vorsitz in den Versammlungen hatte stets Pfarrer Fichtl übernommen. „Er legte besonderes Augenmerk auf den Erhalt der christlichen Grundsätze“, umschrieb die damalige Chronistin das bekanntermaßen strenge Regiment des Geistlichen.

Von 1956 bis 1975 führte Anna Kaufmann den Verein. Nach dem plötzlichen Tod von H.H. Geistlichen Rat Ludwig Fichtl (1975) wurde Pfarrer Max Mühlbauer als sein Nachfolger auch geistlicher Beirat des Frauenbundes. Dessen Vorsitz übernahm im gleichenJahr Maria Lassleben.

Am 31. Mai 1981 konnte das von der Katholischen Kirchenstiftung gebaute Pfarr- und Jugendheim eingeweiht werden. Ab diesem Zeitpunkt fanden auch die Aktivitäten des Frauenbundes dort statt: geselligen Abende, Versammlungen, Schulungen, Besprechungen, Ausstellungen, Koch- und Backkurse. Der Frauenfasching wurde im Hummel-Saal, später auch im Jugendheim gefeiert. Für ihr großes ehrenamtliches Engagement erhielt Maria Lassleben die Bürgermedaille des Marktes.

1991 übernahm Maria Gabler den Vorsitz des Frauenbundes. Mit ihr begann die Zeit internationaler Pilger-Reisen unter der Leitung von Elisabeth Spangler nach Rom, Israel, Griechenland, Portugal, Andalusien und Irland – begleitet von den geistlichen Beiräten Pfarrer Mühlbauer und später Pfarrer Georg Dunst.

Kontakte mit Sr. Renate Meier, die in Rumänien ein Kinderheim leitet, riefen in Beratzhausen eine große Spendenbereitschaft hervor. Der Frauenbund unterstützte die Hilfskonvois bis in das neue Jahrtausend.

Seit April 1998 ziert ein schöner Osterbrunnen den Rathausvorplatz, der alljährlich von Mitgliedern des Frauenbundes geschmückt wird.

Im Januar 2000 wurde das ehrenamtliche Engagement von Maria Gabler als Vorsitzende mit der Bürgermedaille des Marktes gewürdigt. Nach zehn Jahren übergab sie ihr Amt an ein Vorsitzenden-Team, bestehend aus Elfriede Riepl als Ansprechpartnerin, Josefine Vogl und Brigitte Fuchsgruber.

Als Pfarrer Max Mühlbauer im Oktober 2001 nach 26 Jahren seelsorgerischen Wirkens in den Ruhestand ging, kam für kurze Zeit Pfarrer Peter Wolz in den Markt. Er wurde sehr bald von Pfarrer Georg Dunst abgelöst, der seither auch geistlicher Beirat des Frauenbundes ist.

Erneut eine Veränderung in der Vorstandschaft brachte die Jahreshauptversammlung 2005, als Elfriede Riepl zur Vorsitzenden gewählt wurde und Brigitte Fuchsgruber zu ihrer Stellvertreterin. Der Mitgliederstand betrug zu dem Zeitpunkt 266 Frauen.

Die 90-Jahr-Feier bildete den festlichen Rahmen für die Weihe der neuen Vereinsfahne, die seither bei kirchlichen und weltlichen Festen, aber auch auf dem letzten Erdenweg gestorbener Vereinsangehöriger mitgetragen wird.

Ingrid Kroboth